Im Alltag Zeit zum Schreiben zu finden und auch genug innere Ruhe ist für mich ein Dauerthema. Besonders in den Monaten, in denen ich viele Kurse leite, ist ‚Schreiben trotz Alltag‘ für mich nach wie vor eine große Herausforderung. Natürlich wäre es ideal Grenzen zu setzen und jeden Tag, egal was ansteht, erst einmal eine Stunde zu schreiben. Aber wie wir alle wissen, kommen aus allen möglichen Richtungen Ansprüche an unsere Zeit und Kraft. Die Zeit zum Schreiben zu verteidigen kann je nach Lebenslage schwierig und anstrengend sein. Aber wahrscheinlich haben wir alle unsere Tricks, um uns Zeit zum Schreiben zu nehmen. Über diese Tricks sollten wir viel mehr reden.

Weil mich das Thema „Schreiben trotz Alltag“ so sehr interessiert und beschäftigt, habe ich eine Blogparade dazu gestartet. Lies hier nach, wie du mitmachen kannst.

Das hier sind meine Strategien, die mir helfen. Vielleicht ist die ein oder andere Maßnahme auch etwas für dich oder du kannst sie für dich abwandeln.

Vorbereitung ist alles

Für mich ist die Vorbereitung enorm wichtig. Wenn ich nicht am Vorabend den Tag plane, bin ich verloren. Ich schaue also bestenfalls, wann ich wie viel Zeit ich am nächsten Tag zum Schreiben habe und wie ich sie nutzen möchte. Genauso wichtig ist es für mich, von vornherein zu wissen, dass ich wenig Zeit oder Energie zum Schreiben haben werde. Dann kann ich mir überlegen, mit welcher der unten beschriebenen Maßnahmen ich leben möchte. Vor allem verhindert es, dass ich mir hinterher vorwerfe, nicht genug getan zu haben.

Wenn man genervt ist: Wettbewerb mit mir selbst

Zu wenig Zeit zum Schreiben zu haben, kann mich zugegebenermaßen richtig sauer machen. Alles wird besser, wenn ich mir vornehme eine Art Spiel daraus zu machen. Wie viele weitere Wörter kann ich schreiben, während die Nudeln kochen? Wie schnell kann ich einkaufen bzw. wie viele Minuten bleiben dann doch noch zum Schreiben über? Diese Herangehensweise hebt meine Laune wieder.

Wenn man müde ist: recherchieren und ausprobieren

Für den Fall, dass ich zu erschöpft für alles bin, habe ich eine ganze Liste mit Sachen, die ich für mein Manuskript recherchieren und ausprobieren kann. Manches ist wichtig, manches ist nur nice to have. Im Moment kann ich mich noch durch Bücher über städtische Baumpflege lesen, Videos zur Forstwirtschaft anschauen und einen veganen Frischkäse herstellen. Dinge, die nicht so wichtig sind, wie beispielsweise der Frischkäse, bringen mich vielleicht trotzdem auf zusätzliche Ideen und helfen mir bei Beschreibungen.

Wenn man stark abgelenkt ist: Schreibanregungen

In Zeiten, in denen ich den Kopf nicht frei habe, um mich wirklich auf mein Manuskript einzulassen, arbeite ich gerne mit Schreibanregungen. Die Anregungen müssen von außen kommen (also nicht von mir ausgedacht oder ausgesucht). Ich nehme zum Beispiel gerne das Buch „The Five-Minute Writer“ von Margret Geraghty*, schlage es irgendwo auf und ändere den dort angetroffenen Schreibimpuls für mich ab. Wenn man beispielsweise eine Figur ein luxuriöses Hotelzimmer beziehen und beschreiben lassen soll, dann beschreibe ich lieber das Zuhause der Figur und nehme mir dafür 15 Minuten Zeit. Auf diese Weise lerne ich die Figur ein bisschen besser kennen, aber es ist eine überschaubare Aufgabe und auch in anstrengenden Zeiten für mich machbar.

Wenn Ablenkung unausweichlich ist: Figur mitnehmen

Es gibt eben Dinge, die unausweichlich erledigt werden müssen, aber um trotzdem in Verbindung zu bleiben mit dem entstehenden Manuskript und sich nicht völlig abgeschnitten davon zu fühlen, kann man einfach Figuren zu diesem Termin mitnehmen. Dann sitzt man im Wartezimmer oder beim Elternabend und schreibt zwar nicht weiter, kann sich jedoch überlegen, wie diese eine Figur die Situation erleben würde. Wie sie die anderen Leute einschätzen würde, was im Raum ihre Aufmerksamkeit wecken würde.

Wenn Grenzen setzen schwierig ist: Aufspringen auf ein Co-Writing

Ein Co-Writing hilft prima, das Schreiben gegen den Alltag zu verteidigen, weil man sich für eine feste Zeit mit anderen Menschen verabredet. Sobald andere Menschen im Spiel sind, fällt es uns leichter eine Arbeitszeit gegenüber uns selbst und Familienmitgliedern freizuhalten. Man verabredet sich beim Co-Writing mit Menschen, die ebenfalls schreiben (oder etwas anderes konzentriert arbeiten). Für eine festgelegte Zeit schreibt (oder arbeitet) dann jeder für sich, gequatscht wird nicht. Weil man unter Beobachtung steht, schreibt man tatsächlich. Das stimmt, klingt jedoch so negativ. Anders formuliert: Man surft auf der Energie der anderen mit.

Man kann selbst Leute zu einem Co-Writing zu Hause oder in einem Café einladen oder man nutzt eine der online verfügbaren Möglichkeiten, wie beispielsweise meine kostenlose Stille Stunde, immer mittwochs um 20.30 Uhr (nach dem Ende der Sommerpause am 02.09.).

Es wirkt jetzt vielleicht, als würde ich krampfhaft jede Minute des Tages zum Schreiben nutzen wollen. Dem ist nicht so. Mir ist völlig klar, dass neben allen Alltagsanforderungen auch Pausen und Nichtstun wichtig sind. Meine Strategien helfen mir lediglich dabei, auch in anstrengenden Zeiten mit dem Manuskript in Verbindung zu bleiben.

Wie sieht es bei dir aus? Vertragen sich Alltag und Schreiben bei dir gut? Welche Tricks helfen dir, um genug Zeit zum Schreiben zu haben? Schau dir hier die Blogparade „Schreiben trotz Alltag“ an und erzähl uns von deinen Tipps.

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About the Author Pia

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