Als ich das Thema „Selbstwertgefühl von Kindern stärken“ von Wiebkes Blogparade (Klick!) gelesen habe, hat mich das sofort angesprochen und an Schreibspiele für Familien denken lassen. Seit 2009 leite ich Schreibworkshops für Kinder. Obwohl ich natürlich nicht angetreten bin, um das Selbstwertgefühl von Kindern zu stärken, sondern nur mit dem Ziel, Spaß am Schreiben zu vermitteln, kann ich immer wieder beobachten, wie Kinder mutiger werden und ihr Selbstvertrauen wächst. Das beschränkt sich nicht nur auf den Rahmen des Schreibworkshops, wie Rückmeldungen von Eltern und Großeltern bestätigt haben. Daher möchte ich Schreibspiele für Familien vorstellen, mit denen Kinder an das Kreative Schreiben herangeführt werden können.


Schreibspiele: Warum stärkt Kreatives Schreiben das Selbstwertgefühl?

Wenn Kinder schreiben, haben sie die Kontrolle über ihre Geschichte. Sie können Charaktere und Welten erschaffen, die nur durch ihre Vorstellungskraft begrenzt sind. Das kann eine großartige Möglichkeit für Kinder sein, sich auszudrücken und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten aufzubauen.
Innerhalb des Workshops wird die Veränderung zum Beispiel sichtbar, wenn sich Kinder, die anfangs zurückhaltend waren, nach ein paar Wochen trauen, ihre Geschichte vorzulesen und am Ende sogar einen Text in der Abschlusslesung vor allen Eltern präsentieren. Wenn die vorlesenden Stimmen nicht mehr mäuschenleise, sondern klar und deutlich sind, dann weiß ich, es ist etwas in Gang gekommen.


Schreibspiele: Was Schreiben bewirken kann

Das Schreiben hat noch viele andere positiven Effekte. Einer der wichtigsten Vorteile des kreativen Schreibens für Kinder ist, dass es ihnen helfen kann, ihre Kommunikationsfähigkeiten zu entwickeln. Um gut schreiben zu können, müssen sich Kinder klar und prägnant ausdrücken können. Kreatives Schreiben kann ihnen helfen, diese Fähigkeiten zu verbessern.
Schreibende Kinder lernen, ihre Gefühle besser zu kommunizieren – eine Fähigkeit, die auf so vielen Ebenen wichtig ist.
Ein weiterer Vorteil des kreativen Schreibens für Kinder ist, dass sie kritischer denken können. Wenn sie eine Geschichte oder einen Charakter entwickeln, müssen sie alle Aspekte der Situation berücksichtigen. So lernen sie, ein Problem aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und kreative Lösungen zu finden.
Natürlich hilft Kreatives Schreiben Kindern auch ihre Vorstellungskraft und Kreativität zu entwickeln (oder zu behalten), es reduziert Stress und trainiert die allgemeinen Lese- und Schreibfähigkeiten.
Das kreative Schreiben ist aber auch einfach eine unterhaltsame Aktivität für Kinder. Und wer weiß, vielleicht entdecken sie sogar ein verborgenes Talent!

Schreibspiele: Kinder für das Kreative Schreiben motivieren

Während die einen Kinder für ihr Leben gerne Geschichten schreiben, haben andere gar keine Lust dazu. Womöglich erinnert es sie an die Schule und an Hausaufgaben und wird von ihnen nicht mit Spaß in Verbindung gebracht. Deswegen ist es umso nützlicher, wenn man das Schreiben als Spiel innerhalb der Familie ausprobiert. Es ist genau wie beim Lesen. Wenn wir Kindern vorlesen, dann ist es nicht nur das Buch, sondern auch die ganze kuschelige Atmosphäre und die gemeinsam erlebte Aktivität, die sie dazu bringt, das Lesen zu lieben. Wenn wir also ein angenehmes, spaßiges Spiel aus dem Schreiben machen, können auch Kinder davon begeistert werden, die dem Schreiben zunächst ablehnend gegenüberstehen. Es gibt einige einfache Schreibspiele, die man gemeinsam als Familie spielen kann.

Schreibspiele: Was Eltern beim Schreiben beachten sollten

Je jünger die Kinder sind, umso mehr sollten sich die Eltern bemühen lesbar zu schreiben, am besten in Druckschrift.
Eine Geschichte zu erzählen – und dann noch schriftlich! – ist eine komplexe Aufgabe. Die Leistung, die die Kinder dabei erbringen, sollte immer wertgeschätzt werden. Wenn Familien gemeinsam schreiben, erleben auch die Erwachsenen, wie anspruchsvoll es ist, die eigene Vorstellung auf Papier zu bannen und wissen die Leistung der Kinder besser zu schätzen.
Da wir ein Schreibspiel spielen und keine Schulaufgaben machen, werden die entstandenen Texte nicht kritisiert. Stattdessen werden die positiven Punkte betont, die es immer gibt.
Ebenso spielen Rechtschreibung und Grammatik bei einem Schreibspiel keine Rolle und werden nicht korrigiert.
Der wichtigste Punkt ist in meinen Augen, die Texte der Kinder ernst zu nehmen und ehrlich wertzuschätzen. Die Figuren der Kinder zu akzeptieren als wären es reale Personen, das wäre ideal.
Diese drei Schreibspiele sind einfach umzusetzen:


Schreibspiele: Knick-Text

Beim Knick-Text wird sehr wenig geschrieben, deswegen können auch schon Erstklässler mitschreiben, sobald sie einen Satz schreiben können.
Für den Knicktext erhält jeder ein Blatt Papier und schreibt oben einen beliebigen eigenen Satz darauf. Dann wird das Blatt an den nächsten weitergereicht. Dieser liest den Satz, schreibt einen zweiten Satz, der zum ersten passt hinzu und knickt dann den ersten Satz um. Das Blatt wird weitergereicht und der nächste schreibt einen Satz, der auf die Idee des zweiten eingeht, knickt den zweiten Satz um usw. Man kann das fortsetzen bis alle auf jedes Blatt einen Satz geschrieben haben oder bis das Blatt voll ist. Das Ergebnis ist keine „richtige“ Geschichte, aber schön skurril.

Schreibspiele: Tausch-Text

Für den Tausch-Text muss man schon einigermaßen fließend schreiben können. Ab der dritten Klasse setze ich dieses Spiel in Schreibworkshops ein.
Idealerweise ist man für dieses Spiel mindestens zu dritt. Für den Tausch-Text erhält jeder ein loses Blatt Papier. Jeder schreibt den Anfang einer Geschichte auf ein Blatt. Worum es geht, was für eine Art von Geschichte es ist, ist jedem selbst überlassen. Der Anfang kann ein einzelner Satz sein oder maximal ein Drittel der Seite einnehmen.
Dann werden die Blätter getauscht. Man kann sie einfach im Uhrzeigersinn weiterreichen oder man verlost sie. Als nächstes schreibt jeder zu dem fremden Geschichtenanfang die Mitte. Man muss also erst einmal das Geschriebene lesen und sich dann in die Geschichte hineindenken und überlegen, wie es weitergehen könnte. Dabei hat der neue Autor bzw. die Autorin alle Freiheiten. Die einzige Bedingung ist, dass man nur die Mitte der Geschichte weiterschreibt.
Anschließend wird der Text noch einmal getauscht und nun schreibt jeder das Ende zu der fremden Geschichte. Die fertigen Texte werden vorgelesen, damit jeder erfährt, was aus dem eigenen Geschichtenanfang geworden ist.
Damit das Spiel nicht ausufert, ist es nützlich, einen Timer zu verwenden. In Workshops gebe ich für den Anfang 5 Minuten Zeit, für die Mitte 7 Minuten und für das Ende 10 Minuten. Aber die passenden Zeiten können für jede Familie ein wenig anders sein.

Schreibspiele: Würfelgeschichte

Das Schöne an Würfelgeschichten ist, dass man sie auch einfach erzählen kann, ohne sie aufzuschreiben. So können auch jüngere Kinder mitspielen.
Für dieses Spiel benötigt man spezielle Würfel, die nicht Zahlen, sondern Symbole auf ihren Seiten haben. Es gibt zum Beispiel Story Cubes (Klick!)*, die man mit verschiedenen Themenschwerpunkten kaufen kann. Aber zu Hause benutzen wir einfach die günstigeren Würfel, die zum Spiel „Haste Worte“ (Klick!)* gehören, die sind auch bestens geeignet.
Auf den Würfeln sind Dinge oder Tätigkeiten abgebildet, die als Impulse für die Geschichten dienen. Hat man beispielsweise eine Rakete, einen Hamster und Musiknoten erwürfelt, handelt die Geschichte vielleicht davon, wie ein Außerirdischer die Erde besucht, einen Hamster entführt und ihm auf seinem Heimatplaneten beibringt, Opernarien zu singen.
Dieses Spiel ist in unterschiedlichen Varianten möglich:

  • Man würfelt, sucht sich selbst eine vorher abgesprochene Anzahl von Würfeln aus und erzählt eine Geschichte, in der alles vorkommt, was auf den Würfeln zu sehen ist.
  • Man würfelt und ein Mitspieler sucht die Würfel aus, die in der Geschichte vorkommen sollen.
  • Man würfelt und alle schreiben zu diesen erwürfelten Symbolen eine Geschichte. Es ist interessant, wie unterschiedlich die Geschichten ausfallen werden.
  • Man schreibt oder erzählt mithilfe der Würfel endlose Geschichte mit denselben Figuren immer weiter.
    Wenn ihr erst einmal vor den Würfeln sitzt, werden euch sicher noch weitere Varianten einfallen, die zu euch passen.

Schreibspiele: Adventskalender Kreatives Schreiben für Kinder

Für Kinder, die gerne schreiben, eignet sich der Adventskalender Kreatives Schreiben für Kinder (Klick!)*. Aber auch Familien, die entdeckt haben, dass ihnen das gemeinsame Schreiben Spaß macht, können die Schreibanregungen nutzen.
Der Kalender enthält 24 Schreibimpulse, die sich locker um weihnachtliche und winterliche Themen ranken. Ebenfalls enthalten sind 24 Ausmalbilder und ein Link zum Bonusmaterial, das aus weiterem Schreibpapier, zusätzlichen Ausmalbildern und Lesezeichen besteht.

*Affiliate-Links

ein Würfel liegt auf einem nur unscharf erkennbaren Spielbrett, Schreibspiel
About the Author Pia

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  1. Liebe Pia,
    deine Ideen zum kreativen Schreiben und die Verbindung zum Selbstwertgefühl finde ich klasse und habe sofort Lust bekommen, deine Schreibspiele mit meinen Kindern auszuprobieren. Ganz herzlichen Dank, dass du mit diesem Artikel an meiner Blogparade teilgenommen hast!
    Liebe Grüße, Wiebke

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