Das Besondere am Dasein als Schreibwerkstattleiterin ist, dass man in freier Wildbahn kaum jemals Kolleg*innen trifft. Während mancher, der jeden Tag Kollegen um sich hat, das vielleicht als Vorteil wahrnimmt, ist der fehlende Austausch tatsächlich ein Mangel. Umso schöner ist es, eine Veranstaltung wie den „Fachtag für Autor*innen zum Kreativen Schreiben mit Kindern und Jugendlichen“ zu finden. Einmal im Jahr laden das Literaturbüro NRW und die Akademie der Kulturellen Bildung Schreibwerkstattleiter*innen aus NRW nach Remscheid ein zu einer Mischung aus Fortbildung und kollegialem Austausch. Die ersten 5 Fachtage habe ich verpasst, weil ich entweder an diesem Tag – Überraschung! – einen Schreibworkshop leitete oder mich von der etwas umständlich wirkenden Anreise per ÖPNV zur Akademie abschrecken ließ. Der 6. Fachtag fand am 9. September 2025 statt, jenem Tag, an dem der Westen von NRW von Starkregen geflutet wurde, was die Anreise erschwerte und für manche verhinderte.

Was ist SchreibLand NRW?

SchreibLand NRW ist ein Projekt, das Kinder und Jugendliche fördert, die gerne schreiben oder das Schreiben ausprobieren möchten. Dabei werden Autor*innen an Bibliotheken vermittelt und leiten dort Schreibworkshops in einem Umfang von 15 Stunden. 

Auf der Seite SchreibLand NRW finden Kinder und Jugendliche die Schreibworkshops, die aktuell angeboten werden (wenn gerade kein Workshop in der Nähe stattfindet, lohnt es sich alle paar Wochen erneut danach zu suchen), und auch eine Sammlung von Ausschreibungen und Schreibwettbewerben für junge Autor*innen. SchreibLand NRW wird betreut vom Literaturbüro NRW.

Plakat von SchreibLand NRW, gezeigt werden schreibende Jugendliche. Auf dem Plakat steht: Du schreibst gerne? Finde deine Schreibwerkstatt.
SchreibLand NRW bildet auch Schreibwerkstattleiter fort.

Der Ablauf des 6. Fachtags auf einen Blick

Aber nicht nur Kinder und Jugendliche lernen etwas durch das Projekt SchreibLand NRW, sondern auch Autor*innen, die Schreibkurse leiten, profitieren davon, denn einmal im Jahr gibt es eben den Fachtag, eine Fortbildung für Schreibkursleiter*innen aus NRW.

Angeboten werden jeweils zwei Workshops und bereits bei der Anmeldung muss man sich für einen der beiden entscheiden. In diesem Jahr standen zur Auswahl: „Wie sage ich es am besten? Methoden für Feedback und Sharing in Schreibgruppen“ mit Silke Heimes oder „Zappelfrieda und Zeilenheld: Kreativer Umgang mit Störungen“ mit Axel Thiemann.

Wie soll man sich bei diesen Themen entscheiden? Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich wochenlang mit mir gerungen habe. Schließlich entschied ich mich für den Umgang mit Störungen, um besser gerüstet zu sein, wenn es mal dazu kommt.

Bislang war ich in der luxuriösen Lage, dass ich sehr selten Störungen begegne, weil die Kinder und Jugendlichen freiwillig meine Schreibwerkstätten besuchen. Und wenn ich in Schulklassen unterwegs bin, ist eine Lehrkraft dabei. Zu Störungen kommt es nur, wenn Eltern Kinder in eine Schreibwerkstatt zwingen, weil sie schlecht in Deutsch sind und endlich besser werden sollen. (Spoiler: Das funktioniert nicht.)

Der Fachtag begann mit einem Warm-Up für alle mit Axel Thiemann. Wir kamen in Bewegung, lernten die Namen der anderen und haben viel gelacht, die Atmosphäre war sehr angenehm. Am besten hat mir daran gefallen, dass ich jetzt eine Reihe einfacher Spiele kenne, die ich selbst in den Workshops anwenden kann für den Einstieg oder um zwischendurch für Bewegung zu sorgen.

Methoden und Spiele gegen Störungen im Workshop

Im Workshop „Kreativer Umgang mit Störungen“ haben wir zunächst Situationen gesammelt, die wir als schwierig erlebt haben, um dann im nächsten Schritt einige davon nachzuspielen und auf diese Weise zu überlegen, wie man in so einer Situation reagieren kann. Dabei wurde auch immer wieder die Perspektive des „Störenfrieds“ mitgedacht. Die Gesamtsituation stellt sich anders da, wenn man erkennt, dass dieser Mensch sich nicht grundlos ungerecht behandelt fühlt. Man reagiert auch anders, wenn man verstanden hat, wie wenig der „Störenfried“ von dem, was um ihn herum geschieht, noch mitbekommt. Da kann man es sich sparen, zwanzigmal zu ermahnen und dabei selbst immer wütender zu werden. Aber vielleicht lässt sich aus der Situation stattdessen eine Aufgabe ableiten, die die Person wieder in den Workshop einbindet.

Ein Board mit vielen daran gepinnten beschrifteten Karten, eine Ideensammlung aus dem Workshop "Umgang mit Störungen" vom Fachtag von SchreibLand NRW
Unsere Sammung herausfordernder Situationen

Schreibworkshops sind anstrengend und manchen Kindern fällt es schwer, so lange stillzusitzen. Neben den Spielen aus dem Warm-Up haben wir auch noch eine Art Schreib-Stopptanz kennengelernt, mit dem etwas Energie abgebaut werden kann, ohne das Thema Schreiben komplett zu verlassen.  Man spielt Musik ab, alle bewegen sich. Wenn die Musik stoppt, schreibt jeder ein Wort auf und weiter geht’s. Anschließend könnte man diese Worte für einen Text nutzen – oder auch nicht.

Zum Abschluss überlegten wir uns in zwei Gruppen einen Einstieg in einen Schreibworkshop, der sowohl die lauten und die stillen Teilnehmer*innen abholt und auch dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht wird. Es war schön, mal zur Abwechslung gemeinsam die Aufgaben auszuwählen und zu verfeinern, jeder bedenkt doch andere Aspekte.

Meine persönlichen Erkenntnisse

Diesen Fachtag fand ich sehr bereichernd und inspirierend. Ich konnte gar nicht anders, als sofort zu überlegen, wann ich was einsetzen werde. Schade war allein, keine Zeit für Notizen gehabt zu haben. Als ich mich abends hinsetzte, um festzuhalten, was ich gelernt hatte, war durch die schiere Menge an Erlebtem schon wieder Vieles aus meinem Gedächtnis verschwunden. Genauso wichtig wie der Workshop waren die Gespräche am Rande. Für einen Tag einen ganz normalen Job mit Kolleg*innen zu haben, war ein reizendes Erlebnis.

Ich bin gespannt, mit welchen Themen der 7. Fachtag aufwarten wird.

About the Author Pia

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