Wie kann man Kinder dabei unterstützen, das Kreative Schreiben zu mögen? Wie kann ich überhaupt Kinder zum Schreiben motivieren? Die Lösung ist eigentlich einfach: indem wir es gemeinsam mit den Kindern schreiben.
Das Kreative Schreiben kann und sollte wie ein Spiel, eine Art Gesellschaftsspiel betrachtet und in der Familie praktiziert werden. Es geht um nichts, man braucht nicht mal „gut“ darin zu sein, jeder soll Spaß haben und das Spiel kann dem jeweiligen Alter der Kinder gemäß gespielt werden.
Wenn wir gemeinsam als Familie schreiben, lernen wir uns noch einmal aus einer neuen Perspektive kennen und verbringen wertvolle Zeit miteinander. Ein kreatives Hobby zu teilen, kann eine starke Bindung aufbauen oder unterstützen.
Wie man eine Schreibroutine für Eltern und Kinder aufbauen kann, die allen Spaß macht, zeige ich dir in diesem Beitrag.
Warum das Schreiben für Kinder wichtig ist
Ich habe einen ganzen Blogbeitrag darüber geschrieben, warum Kreatives Schreiben gerade heute für Kinder wichtig ist, welche positiven Effekte unterschiedlichster Art es für uns bereithält. Mit Absicht bin ich dabei nicht auf die Auswirkungen auf die schulischen Leistungen eingegangen, denn ich möchte nicht, dass das Schreiben als ein reines Erfolgstool für bessere Leistungen angesehen wird. Aber natürlich setzen bei regelmäßigem Schreiben, wenn man es gerne tut, langfristig positive Änderungen ein. Wer gerne schreibt, wird auch gerne lesen, mit mehr Verständnis lesen, wird die Rechtschreibung besser beherrschen …
Viel wichtiger finde ich jedoch die im verlinkten Blogbeitrag aufgeführten Auswirkungen auf das Selbstvertrauen, die verbesserte Entspannung und die gesteigerte Kreativität, um nur ein paar Effekte zu nennen.
Warum am besten die ganze Familie schreibt
Schreiben ist also gut für Kinder, aber warum sollen dann die Eltern auch schreiben? Sie fangen ja auch nicht an Klavier zu spielen oder melden sich mit den Kindern im Fußballverein an. Berechtigter Einwand, aber sämtliche anderen Freizeitaktivitäten haben feste Rahmenbedingungen und werden sozial geachtet. Das heißt, man meldet sich in einem Verein oder einer Musikschule an und bekommt von außen feste Zeiten für das jeweilige Hobby mitgegeben. Das macht es auch leichter dranzubleiben. Wenn man eine Verabredung absagen muss, weil man Training oder eine Aufführung hat, dann wird das akzeptiert. Und viele, viele Leute finden es soll, dass man Rhönrad fährt oder Querflöte spielt. Und dann die Mannschaft! Oder die Lehrkraft! Welche Freizeitbeschäftigung übt man schon ganz alleine aus? Die wenigsten.
Wenn wir Kinder für das Kreative Schreiben begeistern möchten oder bereits schreibende Kinder und Jugendliche unterstützen möchten, dann ist es sehr wertvoll das, was im Vergleich zu anderen Hobbys beim Schreiben fehlt, ein wenig zu ersetzen, indem man ebenfalls schreibt. Dann sind die Gemeinschaft, die soziale Anerkennung und die Rahmenbedingungen gegeben.
Es ist ein bisschen so wie früher beim Vorlesen. Damals wurden Kinder durch das gemeinsame Erlebnis Lesen zu Buchliebhabern, nun können sie durch das gemeinsame Erlebnis Schreiben zu Schreibliebhabern werden.
Die Idee des gemeinsamen Schreibens, auch innerhalb der Familie, ist übrigens alles andere als neu. Früher war das tatsächlich eine nicht unübliche Form der Unterhaltung. Von E. T. A. Hoffmann weiß man beispielsweise, dass er sich einige Wörter hat zurufen lassen und die dann alle in einer Geschichte vorkommen ließ. Ein Schreibspiel, das noch heute oft verwendet wird. Gut, er hat das bevorzugt in einer Kneipe gespielt, aber er hatte ja auch keine Kinder.
Wie bringe ich meinem Kind Kreatives Schreiben bei?
Nichts wäre schwieriger, als vor ein leeres Blatt gesetzt zu werden, mit dem Auftrag „Jetzt schreib mal eine Geschichte“. Um diese Situation zu vermeiden, gibt es unzählige Schreibspiele und Schreibimpulse. Sie dienen als Sprungbrett und regen die Fantasie an.
Anders als beim Erlenen eines Musikinstruments gibt es beim Kreativen Schreiben keine logische und notwendige Reihenfolge eines Lernplans. Wer schreibt, vergrößert seinen erzählerischen Handlungsspielraum von ganz allein. Das oberste Ziel des Kreativen Schreibens in der Familie ist deshalb der Spaß und die Freude am Schreiben.
Irgendwann werden fortgeschrittene Autor*innen von allein den Wunsch verspüren, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Dann kann man unter anderem verschiedene Erzählperspektiven verwenden, neue Textstrukturen ausprobieren und die Entwicklung von Figuren bewusster in den Blick nehmen. Vieles eignen wir uns bereits durch das Lesen an, es schärft jedoch den Blick, wenn man durch Workshops oder Schreibratgeber lernt, welche Stellschrauben es an literarischen Texten zu entdecken gibt. Es gibt einige Bücher für unterschiedliche Altersklassen, die Kindern (und ihren Eltern) dieses Wissen vermitteln, die ich im Beitrag Wie man Kinder, die gerne schreiben, fördern kann aufgelistet habe.
Was sind Schreibroutinen – und warum sind sie so wichtig?
Mit einer Schreibroutine ist nichts anderes gemeint, als die Gewohnheit zu schreiben. Damit das Schreiben trotz bester Absichten nicht im Alltag untergeht, muss man im Blick behalten, dass es regelmäßig praktiziert wird. Selbst Menschen, die bereits wissen, dass sie sehr, sehr gerne schreiben und es höchstfreiwillig tun, verschieben das Schreiben immer wieder, weil der Alltag ihnen dazwischenkommt.
Wie bei allem, was man tut, wird man immer besser, je mehr Routine man hat. Außerdem braucht man mit einer guten Schreibroutine nicht mehr mit sich und den anderen zu diskutieren, ob man jetzt tatsächlich schreiben soll. Die Zeit ist einfach gekommen und los geht’s. Wie beim Zähneputzen. Mit der Zeit wird sich der Effekt einstellen, dass die Schreibzeit immer besser nach außen verteidigt wird. „Da kann ich nicht, da schreiben wir.“
Aus einer Schreibroutine muss kein strenger Trainingsplan entstehen (bloß nicht!), aber jemand muss geeignete Zeiten im Blick behalten und den Impuls geben, dass es mal wieder schön wäre, gemeinsam zu schreiben.
Wie oft sollte man denn gemeinsam schreiben? Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, zum Beispiel der Art des gewählten Schreibspiels. Einmal in der Woche ist – wir denken an Musikschulen – schon ein ziemlich guter Rhythmus.
Wann ist der beste Zeitpunkt für Schreibroutinen?
Eine Schreibroutine sollte sich möglichst geschmeidig in den Alltag einfügen. Wichtig ist, dass sich das Schreiben mühelos und wiederholbar starten lässt. Wenn man weiß, dass Sonntag am späten Nachmittag alle Zuhause sind und keine anderen Verpflichtungen haben, wäre das schon mal ein guter Zeitpunkt.
Aber man kann auch die halbe Stunde im Auto auf dem Rückweg vom Oma-und-Opa-Tag nutzen, um gemeinsam mündlich Geschichten zu erfinden.
Eine witzige Fortsetzungsgeschichte auf dem Weg zur Schule? 15 Minuten Geschichten schreiben als abendliches Ritual, um noch einmal gemeinsam Zeit zu verbringen? Man muss ein bisschen ausprobieren und experimentieren, um festzustellen, welche Schreibroutine in der aktuellen Familiensituation am besten funktioniert.
Für wen sind welche Schreibroutinen besonders geeignet?
Wie man das gemeinsame Schreiben gestaltet, ist natürlich stark vom Alter der Kinder abhängig.
Geschichten erfinden im Kindergartenalter
Schon mit Kindergartenkindern kann man schreiben. Man kann die Geschichten mündlich erfinden. Vielleicht schreibt eine erwachsene Person mit, man zeichnet das Gesprochene mit einer Diktier-App auf und/oder das Kind malt die Geschichte in Bildern.
Für Kindergartenkinder ist es auch schön, eine Geschichte in Geräuschen zu erzählen. Das kann so aussehen, dass ein Erwachsener eine bekannte Tätigkeit wie Pfannkuchen backen oder Zähne putzen allein anhand von „geräuschvollen“ Wörtern erzählt. Also zum Beispiel: klopf-klopf, knack, platsch. Was war das? Ein Ei wurde aufgeschlagen. Man erzählt also eine kurze, einfache Handlung auf diese Weise und die Kinder raten, was das war. Dann können die Kinder, eventuell unterstützt von einem Erwachsenen selbst eine Handlung in Geräuschen darstellen und die anderen raten.
Eine andere Möglichkeit ist der Einsatz von möglichst erzählenden Wimmelbüchern oder sogenannten Silent Books. Letztere erzählen eine Geschichte – allerdings ohne Text. Den Text kann man mit Unterstützung der Bilder gut selbst ausdenken. Das ist eine gute Möglichkeit, das Erzählen von Geschichten zu beginnen.
Man kann auch wunderbar Stofftiere, Puppen und Handpuppen nutzen und sie als Figur einsetzen. Das Tier oder die Puppe erhält einen eigenen Charakter, Vorlieben und Abneigungen und dann agiert sie als Figur und man kann sie zum Beispiel erzählen lassen, welche Abenteuer sie vormittags erlebt hat, als das Kind im Kindergarten war.

Erste Geschichten schreiben im Grundschulalter
Auch wenn Kinder bereits selbst schreiben können, würde ich darauf achten, nicht zu viel „Text“ von ihnen zu erwarten, da das Schreiben am Anfang sehr anstrengend ist und zu schnell dadurch die Freude am Kreativen Schreiben getrübt werden kann. Diktieren und Malen sind daher auch in der Grundschule noch eine gute Aktivität. Außerdem können Reihum-Texte Spaß machen. Dabei schreibt jeder nur einen weiteren Satz an der Geschichte und gibt das Blatt dann weiter. (Diese Schreibanregung ist nicht zu verwechseln mit den Knicktexten, bei denen die geschriebenen Sätze abgeknickt werden, sodass man nie die gesamte Geschichte kennt, an der man schreibt.)
Wenn die Kinder ungefähr ab der dritten Klasse müheloser Schreiben können, kann man auch Tauschtexte schreiben, die so ähnlich funktionieren. Man dafür mindestens zu dritt sein. Jeder schreibt innerhalb von fünf Minuten auf ein loses Blatt den Anfang einer Geschichte, falls es nur ein einzelner Satz ist, ist das auch okay. Dann tauscht man die Texte untereinander aus und nun schreibt jeder die Mitte der Geschichte zu einem fremden Anfang. Dafür hat man sieben Minuten Zeit. Noch einmal wird getauscht und eine dritte Person schreibt das Ende (oder etwas Ende-ähnliches) der Geschichte. Dafür stehen 10 Minuten zur Verfügung. Das Schöne daran ist, dass die Erwartungen niedrig sind, weil man mit fremden Geschichten umgehen muss und nicht für den Text alleine verantwortlich ist. Außerdem übt man, sich in fremde Welten einzudenken.
Ab diesem Alter können auch Schreibimpulse eingesetzt werden, die eine bestimmte Situation umreißen. Zum Beispiel: „Stell dir vor jemand wacht auf und ist plötzlich unsichtbar.“ Gemeinsam kann man überlegen, was es mit dieser Situation wohl auf sich haben mag. Man kann sich unter anderem solche Fragen stellen: „Wie lebte die Figur bislang? Wie sah ihr Tag aus? Was hielt sie für ihr größtes Problem, bevor sie unsichtbar wurde? Oder hatte sie ein bestimmtes Ziel? Wie ist die Unsichtbarkeit für die Figur selbst? Kann sie ihren eigenen Körper noch sehen oder sieht sie statt ihren Füßen nur noch den Teppich? Kann sie noch Dinge anfassen oder können ihre unsichtbaren Hände keine Gegenstände mehr greifen? Die spannendste Frage lautet: Wie fühlt man sich in einem unsichtbaren Körper? Wie fühlt es sich zum Beispiel an, wenn ein anderer durch einen hindurchgreift? Findet die Figur es schön oder schrecklich unsichtbar zu sein? Welche Vorteile hat es unsichtbar zu sein und welche Nachteile ergeben sich?“ Indem man zusammen solche Überlegungen anstellt, fällt einem bestimmt eine Möglichkeit ein, über die unsichtbare Figur eine Geschichte zu schreiben. Es ist auf jeden Fall interessant, wie unterschiedlich dieses Thema von verschiedenen Personen umgesetzt wird.
Ähnliche Schreibanregungen findest du in knapper Form in meinem Blogbeitrag 33 kreative Schreibübungen, die deine Fantasie sofort ankurbeln oder mitunter auch ausführlicher in meinen Workbooks Kreatives Schreiben für Kinder*.
Ein schönes Projekt ist es auch, aus einer selbstgeschriebenen Geschichte ein kleines Schattentheaterstück zu machen. Dafür braucht man nur einen Schuhkarton, schwarzes Tonpapier und Schaschlikspieße. Das Ergebnis kann man als Video festhalten. Auch wenn man nur ein Stück Tonpapier am Spieß hin und her bewegt, wird durch das plastische Erlebnis das Ausformen der Geschichte und die Charakterisierung der Figuren noch greifbarer.
Kreatives Schreiben für Jugendliche
Sowohl für ältere Kinder als auch für Jugendliche kann es reizvoll sein Fan Fiction zu schreiben. Dabei verwendet man Figuren, die aus Büchern stammen, die man sehr mag, erzählt ihre Geschichte weiter oder versetzt die Figuren in eine andere Zeit, eine andere Welt … natürlich darf man solche Werke nicht veröffentlichen, das würde das Urheberrecht verletzen, aber man darf sie schreiben. Fan Fiction hat den Vorteil, dass man leichter in die Geschichte hineinfindet und mithilfe der vorgegebenen Strukturen gut ins Erzählen findet. Wenn es Bücher gibt, die Kinder/Jugendliche und Elternteile mögen, kann man gemeinsam lange Geschichten erfinden. Oder jeder schreibt sein eigenes Lieblingsbuch weiter.
Ich kenne auch mehrere – in dem Fall Mutter-Tochter-Gespanne – die auch ohne Fan-Fiction-Grundlage gemeinsam ein Buch geschrieben haben. (Fiona, ich erinnere mich immer noch an euren Dunkelzwerg …) Wenn beide dasselbe Genre mögen und die Zusammenarbeit gut funktioniert, ist das ein großartiges Projekt.
Ältere Kinder und Jugendliche können auch kreative Schreibmethoden wie das Freewriting oder Clustern erlernen und wer gerne Bildimpulse nutzt, dem stehen mit Orakel- und Tarotkarten eine unendliche Menge an Schreibanregungen zur Verfügung.
Je älter die Kinder werden, desto eher werden sie allein an einem Projekt schreiben. Können die Eltern dann auf das Schreiben verzichten? Nein. Wer selbst schon mal Geschichten geschrieben hat, kann viel besser die Leistung einschätzen, die die Kinder vollbracht haben. Außerdem ist es toll, auf Augenhöhe Geschichten austauschen zu können.
Denkbar sind jedoch auch ganz andere Projekte, etwa ein gemeinsames Reisetagebuch, oder die Verbindung verschiedener Interessen und Talente. Vielleicht schreibt jemand eine Geschichte und jemand anders macht einen Kurzfilm daraus und sei es mit Lego-Darstellern. Oder jemand illustriert die Geschichte, nimmt die Bilder des anderen als Impulsgeber für ein Gedicht
Mit welchen Methoden gelingt der Einstieg besonders leicht?
Gerade am Anfang sollten die Schreibphasen kurz gehalten werden. Fünf bis 15 Minuten sind für den Einstieg eine gute Zeit.
Die richtige Haltung zu den Geschichten erleichtert ebenfalls den Einstieg: Jede Idee wird ernst genommen, die Texte dürfen auch albern oder unsinnig sein. Die Rechtschreibung ist in diesem Moment komplett egal.
Besonders leicht gelingt der Einstieg in das Kreative Schreiben, wenn man dazu Würfel nutzt, die Elemente vorgeben, die in der Geschichte vorkommen sollen. Für die Jüngeren gibt es Märchen-Würfel*, für die Älteren gibt eine reiche Auswahl an Themen auf den Story Cubes.*

Ein weiterer Vorschlag für den Einstieg besteht darin, sich tatsächlich eine beliebte Geschichte auszuleihen und eine Figur daraus ein neues Abenteuer erleben zu lassen. Dann braucht man sich nicht so viel Neues auszudenken und kommt schneller zu einem motivierenden Ergebnis und Erlebnis.
Praktische Tipps für den Familienalltag
Es ist günstig, wenn wie bei einem Gesellschaftsspiel, alle Dinge, die man brauchen wird, mit einem Griff bereit sind, also beispielsweise in einem Karton. Bei jüngeren Kindern kann man den Karton eventuell noch schön bis magisch verzieren, indem man ihn beispielsweise mit Tüll ausschlägt, mit ausgeschnittenen Lieblingsfiguren beklebt oder mit fantastischen Landkarten.
Es ist kein Muss, aber es ist vorteilhaft, wenn alle per Hand schreiben. Uns fällt es dann leichter kreativ zu sein, denn unser Gehirn unterscheidet nicht, ob wir malen oder zeichnen oder schreiben. Sobald wir mit der Hand schreiben, werden dieselben Hirnareale aktiv wie bei anderen künstlerischen Tätigkeiten.
Hinter meinem Stapel ungenutzter Notizbücher hervor, sage ich, es lohnt sich nicht, in teure Notizbücher zu investieren. Die erschweren nur das Schreiben, weil eine Idee erst mal gut genug sein muss, um des schönen Buches würdig zu sein. Linierte Ringblöcke oder lose Blätter tun es vollauf. Man kann auch ausprobieren das Format zu wechseln und mal auf A3-Zeichenblöcke oder gleich auf die Rückseite von Tapetenresten zu schreiben. Alles, was sich nicht nach Schule, Pflicht und Bewertung anfühlt, beflügelt ungemein.
Was man an den teuren Notizbüchern spart, kann man wiederum in Stifte investieren, denn schreibt nicht jeder umso lieber mit einem Stift, den man so richtig toll findet? Ob kindgerechter ergonomischer Stift oder einfach die Lieblingsfarbe, Stifte kann man gar nicht genug haben.
Vor dem Schreiben kann man gemeinsam besprechen, wenn das gewünscht ist, in welche Richtungen man Überlegungen anstellen kann, man kann gemeinsam zu planen beginnen und dann schreibt jeder seine Geschichte.
Es geht jedoch nur darum, ins Schreiben hineinzufinden, die Planungen vorher müssen nicht umgesetzt werden, der gesamte Schreibimpuls (oder was immer man für eine Vorgabe nutzt) muss nicht aufgenommen und verarbeitet werden. Es gibt bei einem Schreibimpuls keine richtige oder falsche Lösung. Er dient nur als Anschubser – wichtig ist lediglich, dass überhaupt etwas erdacht, erzählt, geschrieben wird.
Nach dem Schreiben darf jeder seinen Text vorlesen oder vorlesen lassen, muss das aber nicht tun.
Wie gibt man Feedback zu den Geschichten?
Man muss überhaupt kein dezidiertes Feedback geben, aber man sollte jeder Geschichte wertschätzend begegnen.
Wenn weiteres Feedback erwünscht ist, kann man alles aufzeigen, was man an der Geschichte gut findet. Man kann Fragen stellen, die entweder über den Rand der Geschichte hinausreichen und das Davor, Danach, Daneben erkunden oder die etwas klären, was man noch nicht verstanden hat. Erfahrenere Autor*innen können auch selbst Fragen an die Feedbackgeber stellen, wenn ihnen beispielsweise nicht klar ist, ob eine Vorausdeutung verstanden wurde, ein Ort anschaulich wurde oder wie eine Figur rüberkommt.
Auf keinen Fall darf man mit einer Rotstift-Haltung die Geschichten durchgehen, Schwächen aufzeigen und womöglich noch Verbesserungsvorschläge machen. Stattdessen müssen wir es so angehen wie damals, als das Kind laufen lernte und wir jedes Torkeln bejubelt haben. Das ist kein In-Watte-Packen, sondern wird auch von Autorinnen und Dozentinnen wie Nikki Giovanni und Peggy Riley propagiert, weil positive Verstärkung am besten dabei hilft, kreative Fähigkeiten zu entwickeln.
Kritik an der Rechtschreibung und Grammatik sind beim kreativen Schreiben ebenfalls kontraproduktiv. Sich gleichzeitig auf das Entfalten der Geschichte und die Rechtschreibung zu konzentrieren ist ein unnötiges Multitasking, das den Schreibflow erfolgreich verhindert. Näheres dazu habe ich in diesem Blogbeitrag festgehalten: Rechtschreibung und Kreatives Schreiben. Warum Fehler nicht immer wichtig sind.
Häufige Hindernisse – und wie man sie überwindet
• Keine Lust
Nicht alle Familienmitglieder werden immer von der Idee zu schreiben begeistert sein. Daher hilft es, den spielerischen Ansatz sehr zu betonen und das Gemeinschaftliche. Nichts, was während der Schreibzeit entsteht, muss „gut“ ein. Ein kurzes Schreibspiel hilft, Unlust zu überwinden und die Routine zu etablieren. Um die Lust auf die Schreibroutine zu stärken, kann man auch auf Spiele ausweichen, die etwas mit Buchstaben und Büchern zu tun haben, aber kein Schreiben involvieren. Etwa so: Einander mit dem Finger Buchstaben auf den Rücken malen und man muss so schnell wie möglich das Wort erkennen. Oder wie bei den Montagsmalern auf Papier zeichnen, aber Buchtitel darstellen.
• Keine Zeit
Eine kurze Schreibsession, die nur 5 Minuten dauert, hilft nicht nur Unlust zu überwinden, sondern lässt sich auch durchführen, wenn man eigentlich keine Zeit hat. Während man darauf wartet, dass die Nudeln fertig gekocht sind, unterwegs im Auto oder vor dem Schlafengehen – 5 Minuten hat man eigentlich immer übrig. Wichtig ist nur, dass man vorbereitet ist und weiß, womit man die Zeit füllen kann.
• Kinder schreiben nicht gern
Ich rede hier immer davon, dass die Familie gemeinsam schreibt, aber manche Kinder finden das eigentliche Niederschreiben der Geschichte zu anstrengend. Wie oben schon erwähnt, kann man in diesem Fall eine Diktier-App nutzen (bzw. ein normales Schreibprogramm, fast jedes hat eine Diktier-Funktion) oder die Eltern schreiben mit. Man braucht aber auch erst gar nicht von „Schreiben“ zu sprechen und malt stattdessen Comics.
• Eltern fühlen sich unkreativ
Manchmal fühlen sich auch die Eltern zu unkreativ und trauen es sich nicht zu, Geschichten zu schreiben. In dem Fall sollte man sich vor Augen halten, dass es nur um den Spaß geht und Fehler keine Rolle spielen. Hier helfen eventuell ganz klare Aufgaben und konkrete Vorgaben.
Außerdem: Man ist ein tolles Vorbild, wenn man die Selbstzweifel überwindet und etwas ausprobiert, was man sich zunächst nicht zutraut.
Und nun, probiere es doch einfach mal aus, lass die Siedler allein Catan besiedeln und die Memory-Karten in wildem Durcheinander zurück, und schreibt einfach mal zusammen an einer Geschichte. Du wirst erstaunt sein.
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