Vor einer Weile hatte ich eine richtig gute Idee, die mir beim Schreiben helfen sollte, und daraus wurde ein schrecklicher Fehler, der mich monatelang ausgebremst hat. Was war passiert?

Die Idee: Druck durch einen Einsendeschluss

Die Idee bestand darin, Ausschreibungen zu nutzen, um mithilfe des Einsendeschlusses genug Druck aufzubauen, um fokussiert zu schreiben. Um genau zu sein, ging es dabei um mein Kinderbuch-Manuskript, für das ich eine passende Ausschreibung entdeckt hatte. Ich rechnete mir aus verschiedenen Gründen keine Chance aus, die Förderung zu erhalten, aber den Einsendeschluss als großer Motivator wollte ich mir zunutze machen.

Vier Wochen im Schreibflow

Das hat hervorragend geklappt! Ich denke noch immer gerne an die ungefähr vier Wochen zurück, in denen ich an meinem Manuskript geschrieben, aber vor allem die ersten zwanzig Seiten überarbeitet habe. Gefühlt stand ich knietief im Manuskript und habe jeden Tag viel länger daran gearbeitet als geplant. Es war herrlich!
Schließlich habe ich die ersten zwanzig Seiten, die so gut überarbeitet waren, wie es mir möglich war, und ein Exposé eingereicht.

Das Exposé: Wo es zu kriseln begann

Das Exposé war der nicht ganz so glücklich verlaufende Part in diesen vier Wochen gewesen. Denn ich plane den Plot nicht detailliert im Voraus. Ich wusste, was bis zur Mitte passieren wird und hatte eine ungefähre Vorstellung vom Ende. Um das Exposé auf die erforderliche Länge zu bringen, musste ich mir nun den Rest krampfhaft ausdenken und das tut meinen Geschichten nie gut.
Das Projekt wurde eingereicht, das Projekt wurde abgelehnt. Das hat mich nicht mal geschmerzt oder geärgert, denn ich hatte ja für mich erreicht, was ich wollte.

Die Abbruchkante

Und dann fing das Problem an. Denn ich konnte nicht weiterschreiben. Zwei Probleme traten auf. Erstens hatte sich der unschöne ausgedachte Plot in meine Vorstellung geklemmt und ich konnte ihn einfach nicht abschütteln. Es fiel mir unnatürlich schwer, andere Handlungsverläufe zuzulassen.
Zweitens, und das war das weit größere Problem, stand ich an der Abbruchkante dieser ersten, relativ schönen zwanzig Seiten und traute mich nicht weiter, weil jeder neue Text natürlich eine Rohfassung und weit schlechter war. Das war allerfeinster Premium-Perfektionismus bei der Arbeit!

Was mir gegen den Perfektionismus geholfen hat

Was mir schließlich half, war zweierlei. Erstens habe ich wieder begonnen mithilfe von Schreibanregungen Fetzen der weiteren Geschichte zu schreiben. Manche landeten in der nächsten Manuskript-Version, manche brachten mich auf die Idee für eine ganz andere Szene oder Wendung und manche werden für immer in der Versenkung verschwinden. Aber durch diese niedrigschwellige Herangehensweise konnte ich wieder in die Geschichte einsteigen und die ganze Maschinerie in Bewegung setzen.
Zweitens brauchte ich einen professionellen Blick von außen, der mir zu erkennen half, welche der geschriebenen Puzzleteile die Geschichte braucht, welchem Pfad ich folgen werde und wie der Plot gestaltet werden kann. Dabei hat mir ein Workshop geholfen.

Feuer unter dem Kessel – nur nicht für mich

Nach wie vor halte ich es für eine schöne Idee den Einsendeschluss einer Ausschreibung zu nutzen, um sich stärker auf ein Projekt zu konzentrieren. Um Feuer unter dem Kessel zu machen. Total schöne Idee, nur leider nicht für mich. Mein Schreibprozess und meine, nennen wir es mal, Konstitution als Autorin machen da nicht mit.

Und du?

Vielleicht kennst du das ja auch: eine Methode, die auf dem Papier super klingt, dir aber tatsächlich nicht liegt. Wenn du das nächste Mal mit dem Gedanken spielst, dich mit einem noch nicht ganz fertigen Manuskript zu bewerben, frag dich vorher lieber: Bist du eher der Typ, der mit dem Druck wächst – oder der Typ, der sich danach an der eigenen Abbruchkante festbeißt? Beides ist okay, du musst es nur vorher wissen.
Falls du gerade selbst an so einem Punkt steckst, wo dein Manuskript feststeckt und du nicht genau weißt, warum: In meinem Newsletter schreibe ich regelmäßig über solche Momente – und ab und zu auch, wann der nächste Workshop startet, falls du Lust auf ein bisschen Schreibflow in Gesellschaft hast. Trag dich hier gerne ein.

About the Author Pia

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