Das Clustern ist eine klassische Methode des kreativen Schreibens, um Ideen zu sammeln und das Schreiben vorzubereiten. Diese Kreativmethode nutzt Assoziationsketten und wurde speziell dafür entwickelt, das bildlich-kreative und das logisch-analytische Denken miteinander zu verbinden. Entwickelt wurde es von Gabriele L. Rico, die die Cluster-Methode in ihrem Buch „Garantiert schreiben lernen“* ausführlich dargestellt hat.
Ich stelle dir zunächst vor, wie das Clustern abläuft und gehe anschließend darauf ein, wofür man es nutzen kann, denn das Clustern kann weit mehr sein, als nur eine Kreativmethode zur Ideensammlung.

Wie funktioniert ein Cluster?


Um zu Clustern braucht man Stift und Papier, sowie ein sogenanntes Kernwort, das man auf die Mitte der Seite schreibt und einkreist. Das Kernwort ist kurz gesagt der Begriff, zu dem man Ideen sucht (Das „Kernwort“ kann auch aus mehreren Worten bzw. einem Satz bestehen.)


Rund um das Kernwort schreibt man nun alle Assoziationen auf, die einem durch den Kopf gehen – und zwar ohne sie zu hinterfragen oder zu zensieren. Das können einzelne Wörter, Ausdrücke, Liedzeilen, Satzfetzen …. Man verteilt sie intuitiv um das Kernwort herum.
Jede dieser niedergeschriebenen Assoziationen führt weiter zu neuen Assoziationen, diese hält man wiederum fest.


Wenn sich gerade keine neuen Assoziationen einstellen, kreist man die vorhandenen ein und verbindet sie mit einem Pfeil mit dem Wort oder Ausdruck usw., der sie ausgelöst hat. Bis sich neue Assoziationen einstellen, kann man auch die Kreise und Verbindungspfeile nachziehen, einfach etwas herumkritzeln.


Weil von jedem Wort weitere Assoziationen ausgehen, bilden sich Bündel oder Trauben (auf Englisch eben „Cluster“), die gleichzeitig ein eigenes Unterthema bilden.
Nach etwa acht bis zehn Minuten wird sich das Gefühl einstellen, sämtliche Assoziationen auf das Papier abgeladen zu haben und eine Idee bzw. ein Interesse kristallisiert sich heraus.


Nun nimmt man sich noch einmal etwa fünf Minuten Zeit, um einen Text zu schreiben, der diese Idee zum Ausdruck bringt und der die im Cluster aufgetauchten Assoziationen aufgreift. Manchmal wird man weite Teile oder gar alle Ideen des Clusters aufgreifen, manchmal interessiert man sich nur für einen Zweig bzw. eine Traube – das spielt keine Rolle.

Was ist ein Beispiel für ein Cluster?

Ein Cluster im Anfangsstadium zm Thema unsichtbar
Um das Kernwort in der Mitte des Blattes wurden wahllos erste Assoziationen niedergeschrieben.
Ein Cluster zum Thema unsichtbar
Die ersten assoziierten Ideen haben weitere Ideen ausgelöst, die mit Pfeilen verbunden wurden.
Ein fertiges Cluster zum Thema unsichtbar, man erkennt die Assoziationsketten. Cluster deutsch
Man erkennt deutlich die Assoziationsketten, die entstanden sind. Einige erste Ideen führten zu nichts, andere lösten Querverbindungen zu anderen „Trauben“ oder Unterthemen aus.



Was ist wichtig beim Clustern?


Nach meiner Erfahrung ist es besonders wichtig, mit einer offenen und entspannten Haltung an das Clustern heranzugehen. Es ist gut, das Clustern als ein Experiment zu betrachten und gespannt zu sein, was dabei herauskommt.


Dazu gehört auch, dass wir uns wohl und sicher fühlen. Niemand außer uns selbst, wird dieses Cluster zu Gesicht bekommen, deswegen können wir wirklich absolut jede Assoziation festhalten. Dadurch wird es schwierig, Cluster im öffentlichen Raum, wie zum Beispiel einem Klassenzimmer, einzusetzen.


Da man nicht immer gleich entspannt ist, sollte man dem Clustern mehrere Versuche einräumen, falls es einmal nicht so gut funktioniert.


Beim Clustern schreibt man schnell mit, was das Gehirn ausspuckt. Cluster müssen, sollen und können nicht schön sein. Wer mit dem Lineal hübsche Verbindungslinien ziehen möchte, hat schon verloren, denn wenn das Gehirn uns Ideen liefern will, sollten wir es nicht unterbrechen. Es ist fraglich, ob dann noch etwas kommt.

Warum funktioniert das Clustern?


Clustern ist eine Methode, die darauf eingeht, wie unser Gehirn arbeitet. Gabriele L. Rico entwickelte sie in den 1970er Jahren, als man noch davon sprach, dass die rechte Gehirnhälfte für alles künstlerische, assoziative, intuitive Denken zuständig ist, während die linke Gehirnhälfte sich um die Logik und Analyse kümmert. Kreativität benötigt immer beide Bereiche. Wenn wir schreiben, produzieren wir zuerst Ideen, überprüfen sie dann, stellen fest, dass etwas nicht funktioniert, entwickeln neue Ideen, um dieses Problem zu lösen …
Wenn nach dieser Vorstellung beide Gehirnhälften zusammenarbeiten, dann werden die besten, interessantesten Ergebnisse erzielt und die Arbeit geht auch leichter vonstatten.
Es spielt keine Rolle, dass die Forschung heute weit über die Vorstellung einer klar getrennten Zuständigkeit beider Gehirnhälften hinaus ist. Das Clustern erfüllt immer noch den Zweck, das künstlerisch-bildnerische mit dem logischen Denken zu verknüpfen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Cluster und einer Mindmap?


Cluster und Mindmap dienen zwar beide dem Zweck Ideen zu sammeln, bei einer Mindmap geht man jedoch strukturierter und überlegter vor. Von Anfang an versucht man dabei, die Einfälle hierarchisch zu ordnen. Am Ende erhält man eine klare, übersichtliche Struktur.
Ein Cluster hingegen wächst organisch, indem man intuitiv den Assoziationen folgt. Hier ist erst einmal alles unsortiert. Eine Art Struktur wird für den clusternden Menschen im Laufe der Arbeit sichtbar, aber auch nur für ihn, denn ein Cluster ist ein persönliches Hilfsmittel und nicht für die Vermittlung von Ideen gedacht, während ein Mindmap auch genutzt werden kann, um eine Idee für andere darzustellen.


Auf den ersten Blick sehen sich beide Methoden ähnlich, doch sie dienen unterschiedlichen Zielen und sind zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt im Schreibprozess sinnvoll. Man clustert zuerst, um Ideen zu sammeln oder um dem Material, das man im Kopf hat, eine Richtung zu geben. Anschließend könnte man eine Mindmap erstellen, um die neu ausgearbeitete Idee in einer übersichtlichen Struktur festzuhalten.

Was sind die Vorteile eines Clusters?


Schauen wir uns erst einmal die offensichtlichen Einsatzgebiete für Cluster an:


Das Clustern ist eine sehr gute Methode, um Ideen zu generieren oder auszuarbeiten, bevor man mit dem Schreiben beginnt.


Man kann es ebenso gut jedes Mal, bevor man mit dem Schreiben beginnt, einsetzen, um sich den Weg zurück in die Geschichte zu ebnen und leichter in den Schreibflow zu finden.


Wenn man ins Stocken gerät und nicht weiß, wie es weitergehen soll, ist das Clustern eine Methode, um den gedanklichen Knoten zu lösen.


Man kann auch Figuren entwickeln, indem man sie als Kernwort verwendet.


Cluster können ebenfalls eingesetzt werden, um den Plot auszuarbeiten.

Wofür kann man ein Cluster noch nutzen?


In ihrem Buch geht Gabriele L. Rico* darüber hinaus noch auf speziellere Anwendungsgebiete ein, mit deren Hilfe man das Schreiben verfeinert. Sie demonstriert beispielsweise eine Methode, um mithilfe des Clusterns beim Schreiben den Schwerpunkt auf den Klang und Rhythmus der Sprache zu legen.
Auch den Metaphern widmet sie sich ausführlich und lässt unter anderem Gefühle in Bilder übersetzen.
Und schließlich widmet sie sich ausführlich der kreativen Spannung, die für sie aus Impuls und Gegenimpuls besteht. Hier arbeitet sie beispielsweise mit zwei gegensätzlichen Kernwörtern.
Selbst für die Überarbeitung zeigt Gabriele L. Rico noch einen Weg, um sich von Clustern unterstützen zu lassen.


Ich kenne nur wenige Schreibratgeber, in denen so wichtige Themen wie Klang, Rhythmus, Metaphern und kreative Spannung besprochen und mit eingängigen Übungen zum Ausprobieren versehen werden. Daher lohnt es sich auf jeden Fall, „Garantiert schreiben lernen“ von Gabriele L. Rico* hervorzuholen und das Clustern in Ruhe auszuprobieren.

Welche Erfahrungen hast du mit dem Clustern gemacht?

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About the Author Pia

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  1. Danke für den umfangreichen Blogbeitrag liebe Pia. Mir war bisher der Unterschied zur Mindmap nicht ganz klar. Jetzt leuchtet mir das ein. Ich werde die Technik mal probieren. LG Steffi

    1. Ich wünsche dir viel Spaß und viel Erfolg beim Ausprobieren, liebe Steffi. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich ergibt.
      LG
      Pia

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